{"id":19570,"date":"2019-06-12T09:53:01","date_gmt":"2019-06-12T07:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/power-shift.de\/?p=19570"},"modified":"2023-09-20T15:37:24","modified_gmt":"2023-09-20T13:37:24","slug":"fuer-eine-welt-ohne-kinderarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.power-shift.de\/fr\/fuer-eine-welt-ohne-kinderarbeit\/","title":{"rendered":"Pour un monde sans travail des enfants"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-19570\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-19570-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-19570-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-19570-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p>Heute ist Welttag gegen Kinderarbeit. Da passt dieses Bild auf den ersten Blick nur zu gut. Zwei ersch\u00f6pft schauende Jungs, beide noch im schulpflichtigen Alter. Sie stehen hinter einer Lore, die genutzt wird, um goldhaltiges Gestein aus engen Minensch\u00e4chten zu schieben. Sie tragen nur Plastikschlappen, keine Schutzkleidung, keine Helme. Die Lore wird aus dem dunklen Loch nach drau\u00dfen geschoben, unter starker, k\u00f6rperlicher Anstrengung. Das Mahlen des Gesteins geschieht au\u00dferhalb des Stollens, h\u00e4ufig mit lauten Dieselpumpen oder gar manuell angetriebenen Ger\u00e4ten. Nur wenige Gramm Gold werden aus einer Tonne Gestein gewonnen. Das Recycling einer Tonne Elektroschrott in Deutschland w\u00e4re ergiebiger.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dftagebau wird in der Regel der Rest des Goldes mit Cyanid industriell herausgewaschen. Hier in Mapisla, im Norden der Philippinen, wird h\u00e4ufig noch Quecksilber genutzt. Auch wenn es offiziell verboten ist. Eine kleine Pfanne wird erhitzt, das Quecksilber bindet das Gold. Der Rest wird hinter das Haus gekippt, wo Schweine nach Nahrung suchen und Kinder spielen. Wohin das Gold von hier aus geht, wissen wir nicht. Vielleicht landet es in der Bordelektronik eines Volkswagens, vielleicht in einem Handy, das wir in einem Telekom-Shop kaufen oder in der Steuerung einer Miele-Waschmaschine. Deutsche Hersteller wissen es h\u00e4ufig selbst nicht. Es interessiert sie nicht. Rohstoffe m\u00fcssen verf\u00fcgbar und g\u00fcnstig sein. Die Abbaubedingungen sind zweitrangig. Mapisla oder andere Bergbaugebiete sind in der Regel weit weg. Nahezu 100 Prozent der bergbaulich gewonnen Metalle und Minerale werden au\u00dferhalb Deutschlands gewonnen. Viele in L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens.<\/p>\n<p><strong>Industrie reagiert erst, wenn es zu sp\u00e4t ist<\/strong><\/p>\n<p>Deutsche Unternehmen m\u00fcssen keine Sorgfaltspflichten beachten. Sie m\u00fcssen sich nicht darum k\u00fcmmern, ob ihre Zulieferer Kinder ausbeuten, Arbeitnehmer*innenrechte verletzen oder die Umwelt verschmutzen. Es sei denn, es wird aufgedeckt. Als lokale Sicherheitskr\u00e4fte im August 2012 34 streikende Bergarbeiter in Marikana, S\u00fcdafrika, erschossen, wurde BASF erst aktiv, als Aktivist*innen aufzeigten, dass das meiste von den M\u00e4nnern gewonnene Platin nach Deutschland zu BASF exportiert wurde. Dass Gewerkschafter und ihre Familien nahe der Kohlegruben in Kolumbien bedroht wurden, fand in Deutschland erst Interesse, als die Zivilgesellschaft nachweisen konnte, dass die Kohle in deutschen Kraftwerken verstromt wurde. Dass Kobalt aus der DR Kongo zum Teil von Kindern gewonnen wird, wurde von Amnesty International aufgedeckt, nicht von der Bundesregierung, der Europ\u00e4ischen Kommission oder von BMW, Daimler oder Volkswagen, die dieses Kobalt nutzen.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur, aber auch wegen der Kinder<\/strong><\/p>\n<p>Es braucht ein Gesetz, das Unternehmen dazu verpflichtet ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Unternehmen m\u00fcssen rechtlich haftbar gemacht werden f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe, die sie h\u00e4tten verhindern k\u00f6nnen, wenn sie genauer hingeschaut h\u00e4tten. Bilder wie dieses, mit Kindern hinter Loren, sollten in Zukunft nicht mehr entstehen.<\/p>\n<p><strong>Fake News vs. starke Regularien<\/strong><\/p>\n<p>Oder solche Bilder sollten nur noch in bestimmten Kontexten entstehen. Denn was wir auf dem Foto sehen ist keine Kinderarbeit. Es sind spielende Kinder. Als ich 2012 in die Philippinen reiste, um mich mit den negativen Aspekten des Abbaus zu besch\u00e4ftigen, sprangen sie in dem Dorf Mapisla um mich herum. Ihre Eltern und Gro\u00dfeltern leben haupts\u00e4chlich von der Landwirtschaft und R\u00fcck\u00fcberweisungen von Familienmitgliedern aus dem Ausland. Zwar besa\u00dfen einige der Menschen kleine Stollen, aber Bergbau schien f\u00fcr niemandem in dem Dorf die Haupterwerbsquelle zu sein. Die Kinder hatten eine Grundschule, der \u00c4ltestenrat des Dorfes konnte hier sogar fernab staatlicher Regulierung und fernab von Gro\u00dftagebau Regeln durchsetzen. Auf den ersten Blick ein Musterbeispiel wie sich Kleinsch\u00fcrfer und lokale Wertsch\u00f6pfung miteinander verbinden lassen. Diese Kinder posierten \u2013 ohne dass ich sie gefragt hatte \u2013 f\u00fcr diese Bilder. Es ist ein sch\u00f6nes Zeichen. Eine Welt ohne ausbeuterische Kinderarbeit ist m\u00f6glich. Lasst uns mit der Politik endlich Gesetze gestalten, um diese Vision voranzutreiben, damit Kinderarbeit \u00fcberall der Vergangenheit angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Michael Reckordt<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist Welttag gegen Kinderarbeit. Da passt dieses Bild auf den ersten Blick nur zu gut. Zwei ersch\u00f6pft schauende Jungs, beide noch im schulpflichtigen Alter. 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